Die Entstehung einer Zigarre

The process of cigar-making.


(Fabrica El Laguito - Havanna)


First the filler is put together and surrounded
with a"binder" tobacco leaf. Then the wrapper
is rolled over and the cigar is cut with the "chaveta".

Zuerst wird die Einlage mit einem Umblatt in "Puppen"
gepreßt und in Deckblätter eingerollt. Als nächstes wird
die herausragende Einlage mit der "chaveta" abgeschnitten.
Vor dem Einrollen wird das empfindliche Deckblatt sanft gedehnt.


Zigarren-Glossar


Anbau:
Tabak ist eine Winterpflanze. Das Nachtschattengewächs wird auf Kuba im September auf Vorbereitungsplantagen gesäht und im Oktober als etwa fünfzehn Zentimeter hoher Setzling pikiert. Nach nur drei Monaten erreicht die Pflanze bereits eine Höhe von 1,80 m. Der Veguero (Tabakanbauer) entfernt nun die letzte Knospe um das Wachstum zu stoppen damit die Blätter noch an Reife gewinnen. Ende Januar beginnt die Ernte.
Der gesamte Anbau-Prozeß von der Aussaat und Anpflanzung (ca. 2 Monate), der Pflege der Pflanzen, bis zur letzten Ernte vergeht insgesamt etwa ein halbes Jahr. Der Veguero sorgt dafür, die Blätter sich in dieser Zeit, unbeschadet von Wind und Wetter, bestens entfalten können.
 

Blätter:
Die oberen Blätter der Tabakpflanze, Ligeros, sind dunkel, brennen langsam, und schmecken kräftig. Bei der Herstellung von Zigarren wird das Ligero-Blatt aufgrung seines langsamen Brandverhaltens in das Zentrum der Einlage plaziert. Das Ligero regelt somit einen gleichmäßigen, ruhigen Abbrand, wird aber oft nur in Form einer Blatthälfte verwendet, damit die Zigarre nicht zu stark wird.
Die mittleren Blätter, Volados, sind nicht ganz so dunkel und kräftig wie Ligeros und sie weisen ein zügigeres Brandverhalten auf. Im Geschmack sind Volado-Blätter die begehrenswertesten der Tabakpflanze.
Die unteren Blätter, Secos, weisen die zarteste Struktur auf und sind daher besonders als Umblatt für die Einlage bei der Herstellung von Zigarren geeignet.

Ernte:
Die Ernte beginnt Ende Januar. In verschiedenen Durchgängen werden die Blätter vom Stengel weggebrochen Die Arbeiter gehen dabei von unten nach oben vor, das heißt die obersten Blätter, Ligeros, ernten sie zuletzt. Nach jedem Durchgang werden die Blätter auf Schnüre gereiht und in Trockenschuppen aufgehängt. Da die Feuchtigkeit nach oben entweicht kommen die neuesten Schnüre zunächst nach unten und werden innerhalb von etwa vier bis sechs Wochen solange umgeschichtet bis die Blätter gleichmäßig trocken sind. Bei der Trocknung verlieren die Tabakblätter bis zu 85% von ihrem Frischgewicht und können nun erst fermentieren. Die Fermentation ist ein Gärungsprozeß bei dem durch Feuchtigkeitszugabe überschüssiges pflanzliches Eiweiß quasi ausgeschwitzt wird und Mikroorganismen und Enzyme die Freilegung von Duft- und Aromastoffen bewirken. Die Blätter werden also unter Feuchtigkeitszugabe in Stapeln von bis zu 150 Zentnern aufeinandergelegt und beim "Ausschwitzen" der Feuchtigkeit entstehen Temperaturen von über 40°C, die jedoch nicht überschritten werden dürfen und durch Umschichten unter Kontrolle bleiben. Der Fermentationsprozeß dauert etwa vier bis sechs Wochen. Nach Abschluß der Fermentation werden die Blätter in Tercios (Ballen) verpackt und in die Fabriken zur Herstellung von Zigarren geschickt.

Herstellung:
Das Geheimnis einer guten Zigarre liegt in der Komposition verwendeter Tabakblätter und im Können des Torcedores (Zigarren-Rollers). Bei der Herstellung von long-filler Premium - Zigarren (in Handarbeit gerollte Zigarren aus ganzen Tabakblättern) ist die Tradition von Kunst und Können altbewährt. Die wichtigsten Arbeitsinstrumente des Torcedores sind seine Hände, die Chaveta (eine Art halbrundes Sichelmesser), eine
kleine Holzplatte, eine Zuschneidemaschine und Goma (ein Naturkleber z.B. aus kanadischem Ahornsirup), eine Molde (Form in der Zigarrenpuppen auf ihr ideales Format gepreßt werden), und die Zigarrenpresse. Jeder Torcedor holt sich im Despacho (Tabakausgabe-Schalter) seinen Tabak, sortiert nach seinem Bedarf, ab. Der Tabak ist so rationiert, daß der Torcedor ca. 50 Zigarren davon herstellen kann. Zunächst legt der Torcedor die zwei Blatt-Hälften, die als Umblatt dienen sollen auf der Holzplatte aus. Dann bereitet er die Einlage vor und achtet darauf, daß die Mischung stimmt und der stärkste Tabak in der Mitte plaziert ist. Die Einlage rollt er nun in das Umblatt hinein und legt die Rohzigarre, auch Puppe genannt, in eine der Rillen der Pressform hinein. Der Torcedor macht dann solange weitere Puppen, bis die Pressform voll ist. In der Zigarrenpresse werden schließlich mehrere Formen voll mit Zigarren gepreßt und die Puppen nochmals um 90° gewendet und wiederholt gepreßt bis alle Puppen gleichmäßig geformt sind. Der Torcedor breitet nun ein Deckblatt auf seiner Holzplatte aus, schneidet es mit der Chaveta zu und rollt eine gepreßte Puppe ein, bis diese nur noch am Kopf, dem Mundstück, mit etwas Goma (geschmacks-und geruchsneutraler Naturkleber) verschlossen wird. Der Abschluß erfordert großes Geschick und mit ihm endet die "Geburt" einer Zigarre. 50 Zigarren gleichen Formates werden dann in ein Rad gebunden und der Qualitätskontrolle übergeben. Die Qualitätskontrolle prüft ob die Zigarren einen gleichmäßigen Durchmesser und ein normales Gewicht haben, ob sie optisch fehlerfrei und zum Abfühlen gleichmäßig gerollt sind. Wenn alle Qualitätskriterien erfüllt sind werden die Zigarren in kühlen Lagerräumen geräuchert. Nach bis zu sechs Monaten kommen sie in die Escogida (Farbsortierung). Hier wird jede Zigarre in über 64 Farbnuancen sortiert, so daß später der Spiegel (die Präsentation jeder Lage von Zigarren in einer Kiste) ein harmonisches Bild ergeben wird. In der Annillado (Bauchbinderei) wird jede Zigarre mit ihrer unverkennbaren Bauchbinde versehen. Nun werden die Zigarren in ihre Kisten gelegt, nochmals geprüft, versiegelt und bis zum Export gelagert.
 

"Schall und Rauch" - der kleine Zigarren-Guide
Zunächst eine Anmerkung über Marken, Formate und Eigenschaften:

Bei manchen Zigarren-Marken assoziiert man automatisch etwas mit deren Namen.
So denken wir bei "Montecristo" an die Erzählung von Alexandre Dumas. Das Buch stand lange Zeit auf dem Index der katholischen Kirche, weil die Rache des Grafen nicht als Vorbild dienen sollte für Enttäuschte. Bei "Romeo y Julieta" denken wir möglicherweise an William Shakespeare's Liebesgeschichte. Zwei junge Menschen aus verfeindeten Familien verlieben sich ineinander und finden erst im Tod zueinander. Eine Zigarre mag auch einen uns unbekannteren Namen tragen, sie verbindet uns jedoch immer mit einer Geschichte. Wir lernen von ihr zu genießen und das Leben gelassen zu betrachten. Bei Zigarren- Marken handelt es sich in diesem Sinne nicht nur um Namen.

Die Formate sind in ihrer Bezeichnung Orientierungshilfe in Bezug auf Durchmesser und Länge (in dritter und vierter Dimension) einer Zigarre. So ist die "Panatella", ob ihrer eleganten schlanken Form zwar ein eher kurzes Vergnügen (zeitlich) aber nicht nur bei Frauen sehr beliebt. Die "Corona" ist als das meistgerauchte Zigarren-Format weltweit, weder sehr dick, noch sehr dünn, weder sehr lang noch sehr kurz. Man erlebt ihren Genuß während einer halben bis drei-viertel Stunde. Die "Churchill" wiederum ist mit das größte und dickste Format vieler Marken. Der Politiker, nach dem dieses Format inzwischen benannt wurde rauchte sie gratis. Zunächst als kubanische Geste der Unterstützung Englands im zweiten Weltkrieg, später als Werbeträger für die Romeo y Julieta Fabrik, bekam er über 200,000 Zigarren seines Lieblingsformates "Julieta" aus Havanna. Eine "Churchill"-Zigarre nimmt über eine Stunde Zeit in Anspruch. Es gibt noch so manch anderes Format, wie die "Robusto", die "Lonsdale" (z.T. auch "898" genannt, wenn sie entsprechend in drei Lagen präsentiert wird), und die "Doppel-Corona" ... was jedoch bemerkenswert ist:

jedes Format hat seine gemeinsamen und unterschiedlichen Eigenschaften - es gilt für jedes Format die Lieblingszigarre zu entdecken. Geschmacklich sind dicke Formate beispielsweise tendenziell vielseitiger und lange tendenziell milder. Jedes Format hat seinen Moment und diesen besonderen Moment sollte man jeweils die beste Zigarre zu wählen.

Der kleine Guide:

J. Aylesbury: Premium-Zigarren aus Honduras und der Dominikanischen Republik
A. Fuente: die Reserva - Serie, besonders die Don Carlos (Robusto) ist excellent und selten.
Bolivar: benannt nach dem venezualischen Unabhängigkeits-Revolutionär schenkt besonders die Corona Gigantes dem Genießer viel Geschmack, ist dennoch gut zu verkraften.
Cohiba: Fidel Castros rauchte diese Zigarre bis er vor einigen Jahren das Rauchen ganz aufgab. Glücklich darf sich besonders derjenige schätzen, der eine Kiste mit dem EL - Stempel auf dem Boden erwirbt. Diese Zigarren stammen aus der el Laguito Fabrik (EL) und sind bekannt für Ihre dreifache Fermentation, ihr reichhaltiges Aroma, bei gleichzeitig erstaunlich milder Bekömmlichkeit. Eine Lancero wäre angemessen, wenn man auf Castros Geschmackssinn vertraut.
Cuaba: eine einfachere Tabakmischung, präsentiert in einem interessanten, eigentlich typisch deutschem Format.
Die "Exclusivos" sollte man einmal unbedingt mit der "Celestiales Finos" von Romeo y Julieta im Vergleich rauchen.
Davidoff: die feinste Zigarre der Welt. Keine wird pingeliger hergestellt; nach schweizer Präzisions-Uhrmacher-Art. Eine, wie die andere perfekt, ästhetisch, sehr mild und doch ausgewogen ansprechender Geschmack.
La Gloria Cubana: eine göttliche Zigarre - sehr mild für so viel Aroma und Geschmack. Die ‚Medaille d'Or No. 2' wäre einmal etwas für einen besonders schönen Anlaß, aber auch eine kleine No. 4 sucht ihresgleichen.
Hoyo de Monterrey: die Epicure No. 2 ist eine sehr gute Robusto, die man mal probiert haben sollte. Wer's lieber kompakt hat, wird in der Hoyo du Depute eine Art Mini-Corona mit viel Geschmack kennenlernen.
Partagas: die ‚Lusitania' ,benannt nach einem amerikanischen Schiff, das von einem deutschen U-Boot im ersten Weltkrieg versenkt wurde, ist eine richtige Doppel-Corona . Eine ‚Lucy' ist nichts für zwischendurch. Sie ist kräftig und fordert ihren Tribut.
Montecristo: wer's kräftig mag ist hier genau richtig aufgehoben - besonders die Torpedo ‚Montecristo No. 2' ist interessant. Die Especiales-Serie ist etwas milder - eine gute Alternative zur Cohiba Corona Especial und zur Cohiba Lancero.
Upmann: eine der milderen Zigarren. Wenn sich unter der Kiste ein JM-Stempel befindet, dann wurden die Zigarren in der Upmann Fabrik in Alt-Havanna gerollt. Von hervorragender Qualität und ungewöhnlich mild ist die ‚Sir Winston', die vielleicht mildeste kubanische Churchill Zigarre.
Vegas Robaina: benannt nach Alejandro Robaina, der mit seinen 76 Jahren immer noch täglich auf seinen Feldern den besten vollmundigeren Tabak-Deckblätter zieht. Die "Unicos" sollte man einmal im Vergleich zu der Montecristo No. 2 probieren.

Kurzeinführung Zigarre-Rauchen:
Wählen Sie für den Anfang nicht zu viele Zigarren, sondern lieber einige gute, handgemachte, mildere Zigarren. Nehmen Sie einen Zigarren-Abschneider um ca. 2/3 des vordersten verschlossenen Mundstücks so abzuschneiden, daß die Einlageblätter freigelegt werden und einen guten Zug gewährleisten. Zum Anzünden sollten Sie längere Streichhölzer oder ein gutes Gasfeuerzeug nehmen. Warten Sie bei Streichhölzern bis der Schwefel verbrannt ist. Führen Sie die Zigarre waagerecht an die Flamme heran und drehen Sie die Zigarre an der Flamme solange bis die gesamte Fläche Asche zeigt. Machen Sie die ersten Züge und kontrollieren Sie das Brandverhalten. Blasen Sie sanft auf die Glut ehe Sie sich völlig dem Genuß Ihrer Zigarre widmen. Ziehen Sie bedächtig an Ihrer Zigarre und genießen Sie, wie sie sich im Geschmack entfaltet. Streifen Sie die Asche gelegentlich vorsichtig ab oder lassen Sie sie in einen Zigarren-Ascher fallen. Zünden Sie Ihre Zigarre erneut an, falls Sie einmal ausgeht. Rauchen Sie Ihre Zigarre solange Sie Ihnen gefällt. Legen Sie sie ab und lassen Sie sie von selbst ausgehen sobald sich ein zu starker oder bitterer Geschmack einstellt. Bewahren Sie die Erinnerung auch wenn Ihre Zigarre schon längst erkaltet ist!



Quelle: Tabak Linzbach